Im Gespräch mit 

Dr. Ralf Mertens.

Ralf Mertens, Leiter der Function Occupational,
Health & Safety von (OSH) Industrial Solutions.

Dr. Ralf Mertens leitet seit gut sechs Monaten die Function Occupational, Health & Safety (OSH) bei thyssenkrupp Industrial Solutions. Im Interview berichtet er über seine ersten Eindrücke und die besonderen Herausforderungen, vor denen ein Großanlagenbauer wie thyssenkrupp steht.

 

Wie sind ihre ersten Eindrücke in der neuen Funktion?

 

Ich wurde von allen sehr gut aufgenommen und hatte bereits die Gelegenheit mir verschiedene Standorte bzw. Baustellen im In-und Ausland zum Beispiel in Indien, Algerien und Saudi-Arabien anzusehen. Die Größe unserer Baustellen hat mich beeindruckt und mir nochmals vor Augen geführt, vor welchen Herausforderungen wir stehen. 


Wir haben es mit einem ständig wechselnden Umfeld zu tun, unsere Baustellen verändern sich ja von Tag zu Tag. Darüber hinaus haben wir es mit wechselnden Belegschaften, in verschiedenen Ländern, mit  unterschiedlichen Kulturen zu tun. Bei manchen Großprojekten befinden sich bis zu 4.000 Mitarbeitende gleichzeitig auf der Baustelle. Und alle müssen wissen, was sie in Sachen Arbeitssicherheit zu beachten haben und es dann auch umsetzen. 


 

„Der Wert und das Wollen sind da!“

Ralf Mertens besuchte die Yamama-Großbaustelle der BU Cement Technology. Hier werden zwei schlüsselfertige Zementklinkerproduktionslinien rund 80 km östlich der Hauptstadt Riyadh errichtet.

 

Das klingt nach einer Mammutaufgabe.

 

Ja und nein. Wenn alle Beteiligten das Thema Arbeitssicherheit als wichtigen Wert in ihrem Berufsalltag akzeptieren, ist die Umsetzung leichter. Ich glaube nicht, das es hilfreich ist, zu sagen „das wird jetzt so und so gemacht, basta!“. Das ist nicht nachhaltig. Nachhaltig wird es nur, wenn den Mitarbeitenden wirklich bewusst ist warum sie etwas tun oder lassen sollen. Wenn sie den Wert für sich persönlich erkennen und er Ihnen täglich vorgelebt wird. Hier haben die Führungskräfte aus meiner Sicht eine entscheidende Rolle. Feedback zu geben, darf nicht als Extraarbeit verstanden werden, sondern ist Teil ihrer Führungsaufgabe.


Ich bin mir sicher, alle – Mitarbeitende von thyssenkrupp und die der Fremdfirmen – haben am Ende dasselbe Ziel. Da gibt es keinen Unterschied! Die Sicherheit aller Menschen auf unseren Baustellen ist uns und unseren Kunden gleich wichtig.


„Ich bin mir sicher, alle – Mitarbeitende von thyssenkrupp und die der Fremdfirmen – haben am Ende dasselbe Ziel.

 

 

Welche Rolle spielt das Thema Sicherheit denn bei unseren Kunden und deren Auftragsvergaben?

Die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten spielt bei der Auftragsvergabe schon heute eine große Rolle und die Bedeutung wächst. Wir müssen unser Engineering, unsere Qualität in der Realisierung und das Thema OSH als Gesamtpaket verstehen. Nur wenn wir in allen drei Punkten überzeugen, sind wir wettbewerbsfähig.

 

Was heißt das nun konkret? Wie können wir dies auf den Baustellen umsetzen?

Lassen Sie mich zwei Beispiele nennen: 2015 wurde thyssenkrupp Industries India in Pimpri für seinen „Safety Park“ von thyssenkrupp mit dem WeCare Award ausgezeichnet. Mittlerweile setzen wir dieses Instrument auch auf anderen Baustellen, wie zum Beispiel in Brunei ein. Hier werden interne und externe Mitarbeitende darin geschult, wie man sich sicher verhält. Was muss ich beachten, wenn ich mich in die Höhe begebe oder was ist zu beachten, wenn ich in engen Räumen arbeite? Alle durchlaufen quasi einen Parcours, der auf die konkrete Arbeit vor Ort zugeschnitten ist. Eines ist klar: Was vorher geübt wurde, kann hinterher auf der Baustelle natürlich besser umgesetzt werden.

Oder nehmen Sie Industrial Solutions in Südafrika: Hier wurde in den letzten Jahren eine integrierte Sicherheitskultur geschaffen. Es begann mit der Verpflichtung des Managements, Sicherheit als existenziellen Wert für thyssenkrupp zu betrachten. Eine Roadmap mit bewährten und neuen Elementen hat zu einer neuen Einstellung in puncto Sicherheit beigetragen. Es ist ein preisgekrönter Ansatz: Der dritte Preis des „we care“ -Awards 2018 von thyssenkrupp und die höchsten Auszeichnungen in punkto Sicherheit, die in Südafrika vergeben werden: der NOSA 5 Stars und der NOSCAR Award.

 

Wichtig ist auch die Durchführung eines „Last Minute risk assessements“. Das ist eine Gefährdungsbeurteilung, die unmittelbar vor Beginn der Arbeiten am Arbeitsplatz durch Mitarbeiter, die die Arbeit verrichten, vor Ort durchgeführt wird. Sie dient dem Ziel alle (potenziellen) Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltrisiken vor der Aufnahme der Tätigkeit zu identifizieren, um Gefahren zu minimieren.

 

Fazit: Die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz haben für den gesamten thyssenkrupp Konzern oberste Priorität. Für die Mitarbeitenden, für deren Familien, für den Kunden, für die Außenwirkung von thyssenkrupp und natürlich auch für die Kosten. Sie sind Teil unserer Firmenkultur und ein wichtiger Baustein unserer Wettbewerbsfähigkeit. Ich persönlich werde daran arbeiten, die Zusammenarbeit mit den Geschäftsverantwortlichen, Werk- und Standortleitern weiter zu verbessern und die Prozesse klarer zu definieren. Der Wert und das Wollen sind da, das habe ich in den letzten Wochen überall wo ich war deutlich gespürt. Jetzt gilt es, allen Beteiligten das richtige Handwerkszeug an die Hand zu geben.